EinleitungBei heutigen Lüftern liegt das Hauptaugenmerk der meisten Käufer eindeutig bei der Lautstärke und so ist es nicht verwunderlich, dass der Markt geradezu überschwemmt von Produkten ist, die den Titel „silent“ tragen, häufig zu unrecht. Um sich am Markt hervorzuheben, reichen reine dB(A)-Angaben oft nicht aus und ein in der Messung leiser Lüfter kann subjektiv durch die Tonfrequenz unangenehmer ausfallen als ein eigentlich lauterer Lüfter.
Hinzu kommt, dass in der Zeit von Wasserkühlungen, passiven Netzteilen, gedämmten Festplatten und superleisen HTPCs die Anforderungen der Benutzer in Sachen Lautstärke enorm hoch sind.
Enermax nahm sich diesem Problem an und entwickelte eine neue Lagertechnologie für Lüfter, welche auf dem Papier eine Menge Vorteile bietet. Wie es in der Praxis aussieht, soll der folgende Artikel klären, in welchem wir einen Enermax WARP Lüfter in der Größe 120mm x 120mm unter die Lupe nehmen.
Vielen Dank an
Verpackung & LieferumfangDer Lüfter kommt in einer ansprechenden grün gehaltenen Verpackung mit Sichtfenster daher. In der oberen rechten Ecke ist ein schicker goldener Drehknopf für das Potentiometer zu sehen.
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Der Lieferumfang kann sich sehen lassen, denn es ist alles dabei, was für Einbau und Betrieb nötig ist.
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In der Verpackung findet man folgendes:
- den Lüfter selbst
- einen goldenen Drehknopf für das Potentiometer (nur beim 120er Modell)
- einen 3 zu 4 Pin Adapter
- 4 Befestigungsschrauben
- Einbauanleitung (englisch)
Der Lüfter im DetailDie Kombination aus schwarzem Rahmen und transparentem Lüfterblatt macht einen gut verarbeiteten Eindruck. Das Design ist klassisch und verzichtet auf Trend-Spielereien wie Beleuchtung oder ausgefallene Farben. Wer den Lüfter aber selbst beleuchten will, hat mit dem sehr klaren Lüfterblatt eine gute Ausgangsbasis.
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Der Einbau geht fix vonstatten, denn Schrauben und Stromadapter sind vorhanden. Leider ist das am Lüfter befestigte 3 Pin Kabel mit 30cm etwas kurz geraten. Hier könnte man gezwungen sein den 4 zu 3 Pin Adapter oder eine Verlängerung zu benutzen.
Schauen wir uns nun den Lüfter etwas genauer an. Zuerst ein Blick auf die von Enermax angegebenen technischen Daten und Features.
- ENLOBAL-Lager mit magnetisch-barometrischem Design für berührungs- & geräuschfreies Laufen
- Lautstärke [dB(A)]: 16 – 37
- Geschwindigkeit: 1000 – 2400u/min
- Luftdurchsatz: 26,9 – 83,5cfm; 45,7 – 142m³/h
- Auto-Restart-Funktion
- Reinigung unter Wasser möglich
- lange Lebensdauer (100.000 Stunden)
- 2 Jahre Garantie
Besonders die Versprechen bezüglich des geräuschfreien Laufs sind eine starke Ansage, welche wir unbedingt überprüfen werden.
ENLOBAL-LagerAber werfen wir zuerst einmal einen Blick auf die auf den Namen „ENLOBAL“ hörende Lagertechnik des Lüfters. Eine Pressemitteilung von Enermax lässt u.a. folgendes verlauten:
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Die Technik basiert auf einem magnetisch-barometrischen Lager, welches im Gegensatz zu allen anderen Lagern den Lüfter mittels Magnetfeldern von einer Vielzahl von Magneten und sogar Luftdruck vibrationsfrei rotieren lässt. Hierdurch lassen sich höhere Umdrehungsgeschwindigkeiten bei gleichzeitig niedrigerer Lautstärke als mit allen anderen Lagern erreichen."
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Wie sich diese Technik in Sachen Lautstärke – dem wohl wichtigsten Kriterium – schlägt, werden wir im Kapitel Lautstärke genau betrachten.
Die hohe Lebensdauer von angegebenen 100.000 Stunden ist natürlich erfreulich und resultiert vermutlich aus dem besonders reibungsarmen Lager. Nachprüfen können wir dies im Rahmen dieses Artikels aber freilich nicht, da 100.000 Stunden einer Zeit von fast 11,5 Jahren entsprechen.
Abnehmbares LüfterblattDes weiteren haben wir uns es nicht nehmen lassen, die beworbene Möglichkeit zur Reinigung unter Wasser zu testen. Dazu kann das Lüfterblatt durch Druck von hinten auf die Lüfterblätter (möglichst nahe der Nabe) entnommen werden.
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Auf der Innenseite von hinten kann man die Achse und den Rotormagneten erkennen.
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Nachdem der Lüfter getrocknet ist, kann man ihn einfach durch etwas Druck wieder in den Rahmen einsetzen.
Auto-RestartAuto-Restart funktioniert auch wie es soll. Hält man den Lüfter während des Betriebs an, so startet dieser nach etwa 2 Sekunden wieder seinen Betrieb.
PotentiometerErfreulicherweise liegt dem Lüfter ein Potentiometer bei um die Drehzahl von 1000 bis 2400 Umdrehungen/min zu regeln. Das pfiffige daran ist, dass das Potentiometer selbst auf eine Rippe an einer der Ecken des Lüfters aufgesteckt werden kann. Der Drehknopf wird dann von außen durch das Loch für die Schraube hineingesteckt. Und als Schmankerl liegt dem 120mm Modell der WARP-Reihe noch ein goldener Aufsteckknopf für den Drehregler bei.
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Das aufgesteckte Potentiometer kann nach vorn oder hinten gerichtet werden, so ist es z.B. bei der Verwendung als hinterer Gehäuselüfter möglich, den Lüfter von der Gehäuseinnenseite aus einzustellen oder das Potentiometer durch eine der Gehäusebohrungen für die Lüfterschrauben auf die Rückseite des PCs herauszuführen, so dass der Lüfter von außen reguliert werden kann.
Allerdings lässt sich der Drehregler nur an einer der 4 Lüfterecken aufstecken.
Eine Befestigungsmöglichkeit an einer Frontblende des Computers ist aber leider nicht vorhanden, da es sich nicht um einen Standard-Poti mit Verschraubung handelt.
Wenn der Lüfter nicht mit dem beigelegten 4 zu 3 Pin Adapter verwendet wird, sondern an einem geregelten 3 Pin Anschluss angeschlossen ist (z.B. an einer Lüftersteuerung oder Lüfterregelung des Mainboards), sollte man darauf achten, dass er auch genug Spannung erhält um korrekt anzulaufen. Denn wenn man den Lüfter direkt per Potentiometer auf eine niedrige Drehzahl einstellt und zusätzlich z.B. die Lüftersteuerung auf 50% eingestellt ist, reicht die Spannung nicht zum Anlaufen aus. Dies gilt aber für alle Lüfter, welche über ein Potentiometer verfügen.
Der Enermax WARP macht bei zu niedriger Spannung durch ein leises gequältes Brummgeräusch auf sich aufmerksam.
KühlleistungDer angegebene Luftdurchsatz von etwa 46 m³/h ist bei der niedrigsten Drehzahl leider recht gering. Die Konkurrenz schafft bei 1000 Umdrehungen/min meist etwas mehr. Für einen Gehäuselüfter der z.B. vor Festplatten platziert wird, ist dies aber völlig ausreichend.
Die Gehäusetemperaturen im Testsystem befinden sich etwa auf dem Niveau anderer silent-120mm-Lüfer. Bei Unterschieden von gerade mal bis zu 2°C kann man durchaus von gleicher Leistung und Messungenauigkeiten ausgehen.
Bei voller Drehzahl wächst der Luftstrom deutlich an und eignet sich so auch für eine sehr starke Kühlung. Leider geht dies auf Kosten der Lautstärke, was bei anderen Lüftern mit solche einem Luftdurchsatz aber auch so ist.
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LautstärkeUm die großen Versprechungen von Enermax zu überprüfen, soll der Lüfter unter besonders anspruchsvollen Bedingungen in Sachen Lautstärke getestet werden. Dabei kommt ein Testsystem zum Einsatz, welches auf fast geräuschlos getrimmt werden kann:
Das Gehäuse ist ein CoolerMaster Stacker welches mit einer passiven Wasserkühlung (für CPU und GPU) ausgerüstet ist, d.h. auf dem Radiator befinden sich keine Lüfter. Möglich ist dies durch die Verwendung eines großen Radiators (Mora 2) welcher außen am Gehäuse montiert ist. Das Netzteil ist ein semipassives Elan Vital Greenerger, bei welchem sich der Lüfter nur hinzuschaltet, wenn eine bestimmte Temperatur überschritten wurde. Die meiste Zeit steht dieser jedoch still. Da alle anderen Lüfter im Gehäuse entfernt wurden verbleiben als weitere Geräuschquellen im PC nur noch die Festplatte, die Wasserpumpe und der getestete Enermax WARP-Lüfter.
Die Festplatte gibt ohne Zugriffe ein nur schwach wahrnehmbares Laufgeräusch ab und die Pumpe der Wasserkühlung ist ebenfalls sehr leise.
Leider sieht es so aus, als wäre ein derartiges Silentsystem nicht der bevorzugte Einsatzort für den WARP-Lüfter. Denn auch auf niedrigster Stufe ist er hörbar – nicht sehr laut, aber doch wahrnehmbar. Luftgeräusche sind keine zu hören, aber dafür ein leises aber unangenehmes Brummen.
Frei von Vibrationen ist der Lüfter ebenfalls nicht. Wenn man den Rahmen berührt, sind diese deutlich spürbar. Je nach Gehäuse und Befestigung könnte es passieren, dass die Vibrationen darauf übertragen werden und so weitere Geräusche entstehen. Beim Testsystem war dies allerdings selbst ohne Entkoppelung nicht der Fall, bei leichten Alu-Gehäusen könnte dies aber wieder anders aussehen.
Auf höchster Drehzahl wird der Lüfter dann zur Turbine und die Lautstärke ist enorm. Angesichts des hohen Luftdurchsatzes ist dies aber kein Wunder. Andere Lüfter gehen auch nicht leiser zu Werke.
Nun stellt sich die Frage: Wieso tritt hier genau das auf, was Enermax mit seiner neuen Lagertechnik eigentlich beseitigen wollte?
Aber man muss relativieren, denn das Testsystem ist sehr anspruchsvoll. Mit weiteren Lüftern und anderen Geräuschquellen ist er nicht mehr herauszuhören. Als Gehäuselüfter in einem „normalen“ PC ist er kaum wahrnehmbar und verrichtet dort brav seinen Dienst.
Festzustellen bleibt aber leider, dass die großen Ansprüche nicht erfüllt werden.
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FazitEin Fazit fällt schwierig. Denn eigentlich ist der 120er Enermax WARP ein brauchbarer Lüfter mit sinnvollem Zubehör und der Preis von etwa 8 Euro (siehe Geizhals-Link) ist auch angemessen. Die Lautstärke ist für einen Großteil aktueller Systeme völlig in Ordnung und auch die Kühlleistung ist ausreichend. Besitzer sehr leiser PCs werden allerdings den Lüfter heraushören können und bei stark abwärmeproduzierenden Systemen sollte man eher zu Gehäuselüftern mit höherem Durchsatz greifen.
Einen schlechten Eindruck hinterlassen die großartigen Versprechen bezüglich der neuen Lagertechnik. Es ist schwer verständlich, dass 5 Jahre Forschung investiert werden um die Laufruhe und Geräuschkulisse entscheidend zu verbessern, aber das fertige Produkt genau in diesen Punkten nicht überzeugen kann. Die Konkurrenz macht es da mit herkömmlichen Lagern oft besser.
Aber es bleibt die Hoffnung, dass Enermax diese Technik weiterverfolgt und die Lüfter verbessert, denn im Prinzip handelt es sich um einen interessanten Ansatz, der sicherlich noch Potential hat.
Pro
+ für Durchschnitts-PCs ausreichend leise
+ Potentiometer
+ 4 zu 3 Pin Adapter
+ leichte Reinigung
+ angemessener Preis
Contra
- hohe Versprechen werden nicht eingehalten, für sehr leise Rechner nicht empfehlenswert
- kurzes 3 Pin Anschlusskabel
Wertung: 85%